Hausverwalter als Energieeinkäufer
Das Wichtigste in Kürze
- Die beste Energieeinkaufs-Strategie hängt von den einzelnen Liegenschaften und der jeweiligen Verwaltung ab
- Bündelverträge können die Beschaffung erleichtern
- Frühzeitig Planen vermeidet Stress beim Auslaufen der Energieverträge
Energieeinkauf für Hausverwalter ist komplex
Soll man auf Preisstabilität setzen oder doch flexibel einkaufen, um von möglichen Preissenkungen zu profitieren? Fakt ist: Eine Glaskugel hat niemand – doch mit der richtigen Strategie lassen sich Risiken minimieren und Kosten besser steuern.
Der Energieeinkauf ist für Hausverwalter ein komplexes Thema: Verträge müssen sorgfältig vorbereitet, Angebote klug verglichen und Fristen eingehalten werden. Dabei gibt es kein Patentrezept, wohl aber bewährte Schritte.
Worauf Hausverwalter beim Energieeinkauf achten sollten
Bereiten Sie sich gründlich vor
- Ermitteln Sie den tatsächlichen Energiebedarf aller Liegenschaften. Dabei kann Ihnen ein digitales Kundenportal des Energieversorgers helfen, in dem Sie unmittelbar auf alle Daten und Dokumente zugreifen können.
- Planen Sie notwendige Modernisierungen ein, die bereits absehbar sind. Effizientere Heizsysteme und ein bewusster Umgang mit Energie verändern den Energiebedarf grundlegend. Das kann zu einem Ungleichgewicht zwischen Verbrauchsmenge und der kalkulierten Menge führen. Ist etwa der Umstieg auf eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus geplant, ist ein höherer Stromverbrauch der Immobilie abzusehen.
- Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Daten vorliegen: Zählernummern, MaLo-IDs, Lieferzeiträume und Vertragspartner.
Legen Sie Ihre Kriterien fest
- Welche Erwartungen haben Eigentümer? Einer der wichtigsten Faktoren sind sicherlich die Kosten, oftmals fallen aber auch Nachhaltigkeit und der Wunsch nach langfristig stabiler Versorgung ins Gewicht.
- Wie wichtig sind Service, Nachhaltigkeit und digitale Prozesse? Ein persönlicher Ansprechpartner mit viel Erfahrung auf dem Energiemarkt, der zudem die Ansprüche der Immobilienwirtschaft kennt, kann viel Kopfzerbrechen ersparen und auch bei komplizierteren Rückfragen von Eigentümern und Bewohnern helfen.
- Sind Bündelverträge sinnvoll? Mehrere Liegenschaften gemeinschaftlich mit Energie zu versorgen, reduziert oftmals den Verwaltungsaufwand.
Terminieren Sie Ihre Ausschreibung clever
Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt für den Abschluss. Wichtiger ist: rechtzeitig starten! Die notwendigen Unterlagen sollten Sie mindestens drei Monate vor Auslauf des Vertrags zusammensuchen, um Stress beim Wechsel zu vermeiden. Holen Sie mindestens drei Angebote ein – am besten gleichzeitig, um Vergleichbarkeit zu sichern.
Welche Einkaufsmodelle gibt es?
Jede Hausverwaltung tickt anders – so auch die Einkaufsmodelle.
Vergleichen Sie sorgfältig: Passen Preis, Service und Vertragsbedingungen zu Ihren Anforderungen?
Der Energiepreis passt sich regelmäßig dem Markt an. Wer Marktentwicklungen im Blick behält, kann von Preisrückgängen profitieren.
FixpreistarifIdeal für Planungssicherheit. Der Preis ist für 1–2 Jahre garantiert – länger nur mit vertraglicher Zustimmung aller Eigentümer. Vorteil: Preisschwankungen spielen keine Rolle.
KombitarifEine Mischung aus Festpreis und Flexmodell. Ein Teil der Energie wird fest eingekauft, der Rest flexibel. So kombiniert man Sicherheit mit Chancen auf günstigere Marktpreise.
Flexible Tarife
Aktuelle Herausforderungen: Mehr als nur Energie
Der Energieeinkauf ist nur eine Baustelle von vielen:
Fachkräftemangel, steigende Bau- und Sanierungskosten, immer mehr gesetzliche Vorgaben und der Druck zur Digitalisierung setzen Verwaltungen unter Zugzwang. Hinzu kommt die klimaneutrale Transformation von Gebäuden. Wärmepumpen, Photovoltaik oder Fernwärme sind wichtige Hebel, aber auch teuer in der Umsetzung. Umso wichtiger ist es, Zeit zu sparen, Risiken zu minimieren und den Energieeinkauf zu professionalisieren.
Was sollten Sie beim langfristigen Energieeinkauf beachten?
Es gibt gute Gründe für langfristige Verträge. Im durch die Energiekrise veränderten Markt gilt es aber neue Aspekte zu beachten, bevor Sie sich auf ein Vertragsmodell festlegen.
Die Sicherheit, die ein Fixpreis-Tarif bietet, kann zum starren Korsett werden. Zum einen ist mit einem immer bewussteren Umgang mit Energie zu rechnen, wodurch der Verbrauch zurückgeht. Hinzu kommt, dass sich durch den Umstieg auf klimafreundlichere Heizungssysteme der Energiebedarf grundlegend verändern kann. Bei Festpreisverträgen entstehen Unklarheiten, wer verantwortlich ist, wenn die Verbrauchsmenge zum Beispiel eklatant unter der kalkulierten Menge liegt und der Versorger die Energiemenge im Voraus beschafft hat. Bei flexiblen Vertragsmodellen stellen Abweichungen kein Risiko dar, da Mengen kurzfristig angepasst werden können.
VerbraucherschutzViele Hausverwalter glauben nicht, dass die Energiepreise noch weiter fallen werden. Entsprechend möchten sie sich möglichst langfristig absichern. Einige Energieversorger bieten dementsprechend Verträge mit sehr langen Laufzeiten an. Dies ist allerdings aus Sicht des Verbraucherschutzes problematisch: Die gesetzlichen Vorgaben bei Privatverbrauchern, zu denen auch WEGs gehören, sehen maximale Vertragslaufzeiten von zwei Jahren vor. Als Hausverwalter geht man mit dem Abschluss länger laufender Verträge Risiken ein. Auch wenn Eigentümer und Beiräten zustimmen, bleibt fraglich, wie ein Richter dies bewerten würde.
Unsicherheit bei PreisentwicklungDie Energiepreisentwicklung seit Ende 2023 hat gezeigt, dass die Preise auf dem Energiemarkt nicht für immer so hoch bleiben wie im Sommer 2022. Wer aber seinerzeit einen Fixpreisvertrag abgeschlossen hatte, steckte längerfristig auf einem hohen Preisniveau fest, während die Marktpreise schon deutlich rückläufig waren.
Kein Zufall, sondern Strategie
Ob Fixpreis, Tranchenmodell oder Flexvertrag – entscheidend ist, dass der Energieeinkauf in die Gesamtstrategie passt. Wer sauber vorbereitet ist, spart Zeit, vermeidet böse Überraschungen und bleibt Eigentümern gegenüber transparent.
Tipp: Automatisieren Sie Erinnerungen für Vertragsfristen und starten Sie Ausschreibungen mindestens sechs Monate vor Vertragsende. So vermeiden Sie hektische Last-Minute-Abschlüsse.
Mit einem klaren Prozess wird Energieeinkauf keine lästige Pflicht, sondern eine Stellschraube, um Verwaltung effizienter, Eigentümer zufriedener und Immobilien klimafit zu machen.
Linda Madir
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